Am zweiten Tag gingen wir die eigentliche Königsrunde an. Diese sollte uns um das Wettersteingebirge führen und war von allen drei geplanten Touren diejenige mit dem höchsten Anforderungsprofil.
Das ging schon los mit der Abfahrt, da wir zuerst mit den Autos nach Garmisch fahren mussten. Die Abfahrt war auf 08:30 Uhr festgelegt worden und für mich heute noch ein kleines Wunder, alle waren fit und wir fuhren pünklich los.
Bei strahlendem Sonnenschein besetzten wir am Eissportstadion in Garmisch (708) die Bikes, passierten die Zugspitzbahn und fuhren paralell zur Bahnlinie in Richtung Grainau. Mit grandiosem Blick auf das Zugspitzmassiv fuhren wir durch herrlich blühende saftige Wiesen und waren in bester Stimmung (der Ein oder Andere in Anbetracht kommender Steigungen auch etwas angespannt). Jemand verlor auch schon sein Blech (am Fahrrad natürlich), später auch noch bei einer Holper-Stolper-Einlage die Trinkflasche.
Kurz vor Grainau fuhren wir ein kleines Stück auf der Landstraße, bevor wir einem Radweg nach Ehrwald folgten. Dieser Radweg schlängelte sich durch eine Auenlandschaft und unser ständiger Begleiter war die smaragdgrüne Loisach, ein herrliches Gebirgsflüsschen.
Nach einigen 20-Kilometern hatten wir unser erstes Etappenziel in Ehrwald (994 M) erreicht.
Jetzt stand uns der Anstieg zur Erwalder Alm bevor, was bei Sonnenschein und 24 Grad eine äußerst schweißtreibende Angelegenheit war.
600 Höhenmeter waren am Stück zu reißen und wir brauchten 55 Minuten bis wir die sehr steile Strecke bewältigt hatten. Oben angekommen (1585 M) wurden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt, links das Wettersteingebirge und rechts die schroffen Kalkfelsen des Mieminger Gebirges.
Aber das tollste Gefühl war, alle!! hatten den Anstieg bewältigt und wir klatschten uns gegenseitig ab.
Danach kehrten wir zu einer kurzen Rast auf die wunderbar gelegene Ehrwalder Alm ein, wo wir uns stärkten und in der Sonne die klatschnassen Trikots trockneten.
Es folgte nun die nächste Etappe mit einem weiteren Anstieg bis zur Pestkapelle und danach ging es auf einer tollen Abfahrt hinunter ins Gaistal. Eine wirklich „geile“ Abfahrt über Schotterpiste mit einer beeindruckenden Landschaft. Es folgte dann noch der ein oder andere „Minianstieg“ bevor wir dann in Leutasch (1136 m) angekommen der wenig befahrenen Landstraße durch das Leutaschtal folgten.
Die Räder surrten über den Asphalt und wir näherten uns unaufhaltsam Mittenwald.
Ohne genaue Streckenkenntnis, aber mit einer beeindruckenden Selbstsicherheit, fuhr ein kleiner Trupp voraus und musste infolge einer verpassten Abzweigung ein paar zusätzlich Höhenmeter fahren.
Es folgte nun die letzte Etappe, die gleich mit einer mäßigen, aber doch langgezogenen Steigung über den Lautensee zu dem herrlich gelegenen Ferchensee führte. In Anbetracht der Tatsache, dass ich hinsichtlich des weiteren Streckenverlaufes wohl eine etwas blumige Aussprache und Verniedlichung der Steigungen gewählt hatte, bekam ich später den Titel eines „Baron Münchhausen“.
Nach dem Ferchensee folgte wieder eine rauschende Abfahrt bis zum Schloss Elmau.
Danach wieder ein „kleiner“ Anstieg mit entsprechenden Kommentierungen, was bei uns Weizenbikern allerdings überwiegend „Liebkosungen“ sind.
Und dann kam die Krönung des Tages:
Ich verpasste eine Abzweigung und auf einer halsbrecherlichen Fahrt ging es hinunter in die Partnachklamm. Für Fahrräder nicht passierbar durften wir dann noch zum Krafttraining übergehen, da die Räder auf ca. 100 Höhenmeter über in den Hang gehauene Stufen nach oben bis zur Graseck zu tragen waren.
Ein wahrlich heftiger Abschluss, der mit einigen unschönen Kraftausdrücken (Liebkosungen) begleitet wurde.
Oben angekommen durften wir dann wieder die Räder besteigen und kehrten nach wenigen Minuten kurz vor Ende der Fahrt auf ein Weizen im Gasthof ein.
Zuvor hatte uns Andreas noch sein akrobatisches Können gezeigt, nachdem er durch die Attacke eines sogenannten „Wadlbeißers“ einen filmreifen Saltomortale hingelegt hatte, den er Gott sei Dank ohne Blessuren überstand.
Mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck zog der Wadlbeißer anschließend von dannen.
Eine steile Abfahrt hinunter zum Eingang der Partnachklamm folgte dann noch und auf ebener Strecke rollten wir zum Ausgangspunkt.
In bester Stimmung gab es dort noch eine Runde mitgeführtes „Beckers Bier“ und einen Snack von Sepp.
Eine phantastische Tour,die mit Sicherheit Jedem in Erinnerung bleiben wird. |