Mittwoch, 26.08.09
4. Tag – Schotter, Schweiß, Traumabfahrten, Traumtrails und Bella Italia
Der Morgen in Santa Maria begann mit einem großen Schweitzer Frühstücksbuffet – will heißen – viel Buffet und wenig drauf. Wir waren aber alle wieder mal richtig gut drauf und machten uns bei bewölktem Himmel startklar. An diesem Tag lag eine vermeintlich lockere Tour (nur 1500 hm) vor uns, aber wie das im Leben so ist: Man kann sich halt arg täuschen!
Aus dem Stand durften wir gleich mal einen richtig steile Auffahrt , 20 %, auf Schotter angehen. Ohne Murren und Maulen traten wir in die Pedale und zogen die zu bewältigenden 800 hm am Stück bis zum Alp Praveder und Döss Radond (2234 m) durch. Dabei tröpfelte es leicht aus der dicken Wolkendecke, aber die meiste Feuchtigkeit verursachten wir selber, denn wir schwitzten wie in der Sauna.
Oben angekommen wechselten wir die durchnässte Kleidung und machten uns durch das Hochtal Val Mora an die Abfahrt. Ein überwältigendes Hochtal mit einer gigantischen Bergkulisse, das alle Strapazen vergessen ließ. Auch verzogen sich langsam die Wolken und die Sonne ließ sich nach und nach blicken.
Über einen Wiesentrail und später durch Latschenkiefern kamen wir an eine abenteuerliche Bachbrücke, die wir überquerten, und dann folgte ein „Toptrail“. Links zog er sich in einem ständigen Auf- und Ab an einer Schlucht entlang und wellenförmig ging es in Richtung Passo Val Mora. Es machte einfach nur Freude diesen Trail zu fahren, da er zwar schon anspruchsvoll aber für alle fahrbar war. An der ein oder anderen kniffligen Stelle war mancher mal kurzfristig zum Absteigen gezwungen, aber im Gegensatz zu den meisten anderen von uns zu fahrenden Trails hielt sich das in Grenzen.
Unscheinbar und kam wahrnehmbar passierten wir am Passo Val Mora die Grenze nach Italien und nahmen an den beiden Stauseen den rechten Uferweg. Hier hatten wir dann leider eine Panne an Werners Bike zu beklagen. Unsere „Techniker“ waren ganz schön gefordert, aber nicht überfordert, und konnten auch dieses Problem beheben. Leider gab es unmittelbar nach dieser Panne noch einen Sturz und deutlich sichtbar hinterließ die Kette ihre Spuren in den strammen Waden des Pechvogels.
Damit war aber für diesen Tag unser Pannen- und Sturzsoll erfüllt, und es waren keinerlei außergewöhnliche Vorkommnisse mehr zu verzeichnen.
Hinter dem Torro di Fraele geht es drei Serpentinen abwärts und dann auf gleicher Höhe bleibend ca. 10 km über eine alte Militärstraße. Es machte richtig Laune diesen Weg zu fahren und dabei noch die überwältigende Aussicht zu genießen. Am Ende, und wieder mal kurz vor den nächsten Höhenmetern, legten wir eine Pizza- und Nudelpause ein.
Dann ging es hoch zum Passo di Verva.
Die vermeintlich lockere Auffahrt entpuppte sich als äußerst steile und steinige Tour, die in der Tat nur von den wirklichen derben „Konditionstieren“ zu meistern ist (hatten wir dabei). So fuhr oder schob man in Teilstücken sein Bike, je nach körperlicher Verfassung, bis hoch zum Passo di Verva.
Es folgte dann eine 18 km!!! lange Abfahrt bis hinunter nach Grossio. Zuerst wieder mal heftig steil und äußerst steinig, die Handgelenke schmerzten vom Bremsen, dann aber über Asphalt in einer berauschenden Abfahrt hinunter ins sonnige Valtellina. Es wurden Höchstgeschwindigkeiten über 70 km/h erreicht und so manches Auto wurde überholt.
Waren wir am Tag zuvor noch in der Schweiz, so empfing uns hier in der Lombardei der mediterrane Flair und in Grossetto konnten wir dieses Flair voll und ganz genießen.
Wir trafen äußerst nette, freundliche und zuvorkommende Menschen an, konnten entspannt vor einer italienischen Bar auf dem Dorfplatz sitzen und waren hervorragend in einem kleinen Hotel untergebracht.
Man bot uns für unsere Kleidung einen Waschgang an, was zur Folge hatte, dass wir uns „pronto“ unserer Kleidung im Freien entledigen mussten und nur notdürftig bekleidet in unser Hotel hasteten. Hat aber niemandem geschadet!
Abends waren wir dann noch in einem schönen gemütlichen italienischem Lokal zum Essen.
Der Aufenthalt in Grossetto gehörte mitunter zu den schönsten Erlebnissen auf unserer Tour.
Insgesamt betrachtet war diese Etappe sehr schweißtreibend und vor allem zum Schluss anstrengend und schwierig. Landschaftlich gesehen gehörte sie aber zu den Favoriten. Perfekt abgerundet durch die beschriebenen Traumtrails und –Abfahrten.
Unterkunftsmäßig absolut weiter zu empfehlen.
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